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Digitalcheck

Semantic Core Vocabularies

Die grenzüberschreitende Datensprache für das Once-Only-Prinzip

Einführung

Betrifft mich dieses Thema als Legist oder Legistin?

Wenn Ihr Regelungsvorhaben die Erfassung, die Verarbeitung oder den Austausch von zentralen Verwaltungsinformationen (wie beispielsweise Daten zu Personen, Unternehmen, Standorten oder öffentlichen Dienstleistungen) vorgibt, sieht der Interoperable Europe Act (IEA) vor, dass Sie die Nutzung der sogenannten Core Vocabularies nach Art. 7 (EU) 2024/903 als „Lösung für ein interoperables Europa“ in Ihrem Regelungsvorhaben prüfen.

Warum?
Im Rahmen des Digitalchecks und der Interoperabilitätsbewertung klären Sie, ob Ihr Vorhaben die nahtlose und automatisierte grenzüberschreitende Verarbeitung von Daten im Vollzug fördert.

Wenn Ihr Vorhaben keinen Bezug dazu hat, ist diese Seite für Sie derzeit nicht zwingend handlungsrelevant.

Sofern Ihr Vorhaben Bezug hat, finden Sie auf dieser Seite Unterstützung für diesen Arbeitsschritt zur Erarbeitung Ihrer Regelung. Lesen Sie hier weiter:

Auf einen Blick

  • Was sind Core Vocabularies? Core Vocabularies sind vereinfachte, wiederverwendbare und erweiterbare "Austausch-Sprache", welche die grundlegenden Merkmale einer Daten-Entität kontextneutral erfassen. Sie dienen als standardisierte Basisbausteine für europäische digitale Dienste.
  • Warum ist das wichtig? Um die reibungslose Kommunikation zwischen Behörden zu gewährleisten, schlagen diese Modelle eine Brücke zwischen länderübergreifend unterschiedlich lautenden Begriffsdefinitionen. So werden semantische Interoperabilitätskonflikte gelöst und damit Datenabgleiche zwischen Registern (z.B. verschiedener Länder) ermöglicht, ohne, dass verschiedene Register jeweils verändert werden müssen.
  • Was kostet mich das? Für Sie als Legistin oder Legist bedarf es lediglich einer verankerten Vorgabe in Ihrem Regelungsvorhaben. Die technische Ausgestaltung obliegt dem IT-Vollzug.
  • Wo gibt es Hilfe? Bei der Nationalen Kontaktstelle für Interoperabilität (DigitalService).
Erklärung

Worum geht es bei Core Vocabularies genau?

Regelungsvorhaben im Bereich der Verwaltungsdigitalisierung (wie das OZG oder die Umsetzung der europäischen Single Digital Gateway Verordnung) fordern häufig das sogenannte Once-Only-Prinzip – also die nur einmalige Erfassung von Daten. Als Legistin oder Legist fragen Sie sich im Digitalcheck: Wie stellen wir sicher, dass dieses Prinzip auch grenzüberschreitend technisch umsetzbar ist? Durch die Einbindung von Core Vocabularies in nationale Standards legen Sie die Grundlage dafür.

Core Vocabularies fungieren als universelles „Puzzleteil“, das den Datenaustausch zwischen verschiedenen administrativen Systemen harmonisiert. Anstatt für jede Schnittstelle eigene Übersetzungsregeln zu definieren, einigen sich Behörden auf definierte Kern-Attribute (wie etwa Firmenname offiziell, Handelsregisternummer oder Unternehmensform). Wenn alle angebundenen Systeme dieses einheitliche Vokabular nutzen, können Informationen problemlos ausgetauscht, maschinenlesbar verarbeitet und ohne Informationsverlust verstanden werden.

Für welche Bereiche gibt es Core Vocabularies?
Deutsches RegisterCore Business VocabulariesSpanisches RegisterErläuterung
Firmenname offizielllegalNameNombre legalBeide Systeme verstehen, dass hier der Firmenname erfasst wird.
HRB-NummerregistrationReg_IdDie Registernummern werden eindeutig zugeordnet, egal wie sie lokal heißen.
UnternehmensformlegalFormTipo JuridicoVerhindert Missverständnisse bei Rechtsformen (z. B. GmbH vs. SARL).
Umsetzung

So stellen Sie die Nutzung sicher

Fragen Sie sich als Legistin oder Legist im Vorfeld des Vollzugs: Wie stellen wir sicher, dass Daten aus diesem Regelungsvorhaben reibungslos mit anderen europäischen Registern interagieren können?

Integrieren Sie bereits im Gesetzentwurf die Maßgabe zur Nutzung standardisierter Datenmodelle. Damit schaffen Sie die rechtliche Grundlage dafür, dass die spätere technische Umsetzung zwingend nach den Core Vocabularies erfolgt, um die EU-weite semantische Interoperabilität zu garantieren.

  • Schritt 1: Bedarf & Prüfung (Ihre Domäne)

    Nutzen Sie den Digitalcheck, um den Regelungsbedarf zu evaluieren: Formulieren Sie das Ziel (z. B.: „Bürgerinnen und Bürger sollen ihren Wohnsitz EU-weit online ummelden können”). Dazu identifizieren Sie, welche Angaben dafür im Prozess nötig sind (Name, alte Adresse, neue Adresse). Halten Sie dazu Rücksprache mit den nachgelagerten Behörden. Identifizieren Sie, welche Datenobjekte betroffen sind. Sind dies Kerninformationen zu Personen, Organisationen, Orten oder öffentlichen Diensten, sind die Core Vocabularies als „Lösung für ein interoperables Europa” nach Art. 7 (EU) 2024/903) als Standard heranzuziehen.

  • Schritt 2: Technische Vorgabe

    Sie legen im Entwurf fest, dass für die Strukturierung der Datenobjekte die entsprechenden Core Vocabularies als Grundlage zu nutzen sind. Der IT-Vollzug setzt dies im Nachgang technisch um.

  • Schritt 3: Der Dienst geht live

    Sobald der Dienst live geht, können die Systeme Dank der Core Vocabularies Daten mit anderen Behörden austauschen, weil die Dienste „dieselbe Sprache” sprechen. Mit der konzeptionellen Ausrichtung auf die Core Vocabularies gewährleisten Sie im Vollzug Ihrer Regelung semantische Konsistenz für den Datenaustausch.

Beispiele

Semantic Core Vocabularies in Anwendung bei bestehenden Gesetzen und Richtlinien

Hier finden Sie Referenzfälle, die Core Vocabularies zur Sicherstellung der EU-weiten Interoperabilität von Datensätzen nutzen:

Ressourcen